After the Hours

oder: was passiert wenn andere längst im Bett liegen, das ist wörtlich zu verstehen. Es gab mal eine Zeit in meinem Leben, da war ich auch so eine, die dann längst im Bett lag. Weil ich war müde, es war morgens, die Nacht war lang, ich war ausgepowert und kaputt vom Tanzen und irgendwann muss man ja schlafen. Dachte ich.
Nein, muss man nicht. Man hält es sogar sehr lange ohne Schlaf aus, mit gewissen unterstützenden Substanzen sogar so lang, bis man stirbt, weil man nicht geschlafen hat. Das ist mir noch nicht passiert. Aber ab Tag 5 Wach wirkt das Leben sowieso so seltsam, dass man eigentlich fast gern sterben würde. Und schlafen gehen fühlt sich dann auch wie Sterben an. Man fühlt, dass das Leben jetzt weitergeht, ohne einen, während man hier liegt und gleich schläft. Und man fühlt auch, dass man absolut nicht mehr in der Lage ist, an diesem Leben teilzunehmen, man ist also tot, obwohl man lebt und man fühlt sich als ob man stirbt, weil man gleich schläft. Hört sich nicht besonders  toll an, bringt aber jeden Tag Millionen von Menschen dazu, eben wieder nicht zu schlafen, sondern noch eine Nacht dranzuhängen. An die letzte, oder eben auch an die letzten zwei Wochen. Man weiß nicht welcher Tag ist oder wie das Wetter ist, man weiß nur in welchem Club gleich der und der DJ auflegt und wo man auf der Gästeliste steht. Man weiß, wer Zeug hat, von wem es gut genug ist und um welche Ticker man lieber einen Bogen macht. Man weiß, wer später in der After Hour wieder nur rumheulen wird und wie man ihn am besten so abhängt, dass er sich nicht persönlich angegriffen fühlt und einfach denkt, die Menge hätte sich halt verlaufen. Aber: Die Menge verläuft sich nie! Wer mitkommen soll, der kommt auch mit, wer mitkommen will aber nicht soll, der bleibt draussen. Mitleidsmitnahmen strapazieren die Gemeinschaft und die Stimmung, deswegen macht man sowas meist nur einmal in seinem Leben. Da diese Erfahrung aber jeder für sich machen muss ist man trotzdem auf fast allen Afterhours von solchen „Mitleidsmitnahmen“ umgeben. Manche haben Biss und beissen sich durch, manche werden persönlich abgeholt am Ende(und nein, nicht von ihrer Mutter) und die meisten sind danach einfach sehr verschreckt und lassen das mit dem Feiern lieber. Weil richtig hart Feiern richtig harte Arbeit ist. Es bedeutet, dass du keine Probleme hast, wenn deine Zungenhärchen sich einbilden auf das 10fache ihrer Größe anzuschwillen und dir im Mund rumhängen. Es bedeutet, dass du immer wieder essen musst, obwohl du nicht willst und essen in diesen Zuständen wirklich keinen Spaß macht, es fühlt sich alles an wie matschiger oder trockener Sand. Aber es rettet dich, wenn du in 2 Stunden wieder auf dem Floor stehst und gibt dir Energie für die verkümmerten Bewegungen aus dem Stand, die dein Allgemeinzustand eben noch zulässt. Trotzdem fühlst du dich, als ob du über Wolken hüpfst.
Es bedeutet, dass dir alles egal ist.

Außer Du selbst.
Und dein Konsum.